Backstage - ein Blick hinter die Kulissen

Herausforderung Kostümwechsel

Swan Lake ist die größte Produktion in mehr als 50 Jahren der Guangdong Acrobatic Troupe und integriert fast alle Akteure der Truppe. Selbst dann noch muss ein Darsteller mehrere Rollen besetzen um diese große Show zu vervollständigen. Leiter Chen Hua hat darauf geachtet, dass die meisten Tänzer und Akrobaten auch darstellerisch sehr talentiert sind und es daher kein Problem für einen Akteur ist, verschiedene Rollen zu spielen. Er selbst spielte auch in mehreren Rollen bei anderen akrobatischen Aufführungen. Dennoch verursacht Swan Lake ihm große Kopfschmerzen, die er so nicht kannte – der „quick change“, der schnelle Kostümwechsel.

„Noch nie zuvor war ich so ängstlich beim Tragen von Kostümen. Am wenigsten Zeit ist zwischen den Stangenkletterern und den Rhönrädern. Es gilt in einer Minute die Kostüme zu wechseln. Der Wechsel besteht nicht alleine darin 11 Stangenkletterer-Kostüme gegen 9 Rhönrad-Kostüme zu tauschen. Manche Kostüme, wie die der Jongleure, sind sehr schwer und das An- und Ausziehen ist sehr anstrengend. Am Anfang hatte ich immer Angst rechzeitig auf der Bühne zu erscheinen.“

Die Anzahl der Kostüme für Swan Lake beläuft sich auf über 500 komplette Kostüm-Sets (Kopfputz, Kostüm, Schuhe). 15 Kostümbildner haben 3 Monate zur Fertigstellung gebraucht. Die vielen Ornamente und die aufwendige Verarbeitung haben die Anfertigung sehr schwierig gemacht. Das weiße Schwanenkostüm sieht einfach aus, ist aber mit Hunderten von koreanischen Strasssteinen besetzt, die von Hand einer neben dem anderen, angenäht werden mussten. Die speziellen Anforderungen an Kostüme für Akrobaten machten es dem Kostümdesign und den Kostümbildner noch schwieriger. 

Balletttänzer träumen von einer Karriere als Akrobatikkünstler

Yu Wanqing (schwarzer Schwan) besuchte die Ballettschule in der Provinz Sichuan. Im Jahr 2001 wurden Wu und Wei gebeten bei der Eröffnungszeremonie des nationalen Sportlertreffens aufzutreten und der Direktor bat die 12jährige Yu und ihre Klassenkameradinnen beim Auftritt um die beiden herum zu tanzen. Während des Auftritts von Wu und Wei waren Yu und ihre Klassenkameradinnen so von der „hand to hand“ Nummer der beiden fasziniert, dass sie fast vergaßen, ihre eigenen Rollen zu tanzen. Sie war sich sicher, dass dieser Akt die höchste Ballettkunst ist und wollte es unbedingt lernen.
Durch dieses Zusammentreffen verpflichtete sie später die Guangdong Acrobatic Troupe für die Rolle des schwarzen Schwans. Anfangs bekam sie aufgrund ihres jungen Alters und ihrer körperlichen Konstitution keine Rolle in der Show. Wu und Wei haben sich sehr um die kleine Yu bemüht und versuchten sie in anderen Balletttruppen unterzubringen. Allerdings wies sie die Hilfe der beiden zurück und äußerte entschlossen: Ich werde nicht aufgeben, eines Tages werde ich tanzen wie Schwester Wu.

Heute schon tanzt Yu die Rolle des schwarzen Schwans in der Show und trat bereits auf vielen Bühnen dieser Welt auf. Nie hat sie die ersten Lehrstunden für die akrobatischen Grundübungen vergessen. Als Balletttänzerin benötigte sie einen ganzen Monat nur um einen Handstand zu beherrschen. So meinte sie: “Einer meiner Vorteile ist es, keine Angst vor dem Sturz zu haben.“ Neben Yu tanzen noch viele andere von der Ballettschule, die keine akrobatische Aus- oder Vorbildung hatten. Mit der Show Swan Lake mussten die Tänzer/-innen zusammen mit den Akrobatikkünstlern brandneues künstlerisches Terrain betreten.

Hutjonglieren im ersten Akt ist im Repertoire der Gruppe, aber kein Spitzentanz. Mit den Balletttänzer/-innen bekommt der Akt einen ganz neuen Charme. Nun müssen sie auf Spitzen stehen während sie Hüte jonglieren – eine völlig neue Kreation.

Yang Tingting benutzt das Wort unerträglich um die harte Zeit damals zu beschreiben. „Als Balletttänzer hat man eigentlich nichts in der Hand und jetzt sollen wir mit Hütten jonglieren und das auch noch im gleichen Rhythmus mit den anderen Mädchen. Es hat 3 Monate gedauert bis das gemischte Team zum ersten Mal auf einer Bühne zusammen proben konnte. Jetzt lernen Akrobaten und Tänzer voneinander. Die Tänzerinnen wurden robuster, während die Akrobaten besser tanzen lernten.